Die Sommerpause bei Provinzpop ist nun endgültig vorbei, der Sommer ist es ja leider auch. Und obwohl uns der September noch mit vielen Sonnenstrahlen verwöhnt hat, fröstelt es mich doch schon, wenn ich abends auf den Balkon trete und sofort drängt sich der Gedanke nach warmer Kleidung auf. Denn was gibt es schöneres, als sich an einem kühlen Herbstabend in eine weiche, voluminöse Strickjacke zu kuscheln? Na ja, ausser vielleicht, sich in einer weichen, voluminösen Strickjacke vor dem Kamin zu räkeln… Das mit dem Kamin wird wohl vorerst ein Wunschtraum bleiben (bin froh, wenn unser Ofen Anfang November vom Restaurator kommt), aber die Strickjacke ist eine realistische Sache. Vor ein paar Monaten bin ich nämlich vom Strickvirus befallen worden, und seitdem bin ich um ein Top, ein Kleid, mehrere Handytaschen und einen Schal reicher.
Die Schweiz ist, gemessen an den umliegenden Ländern, ein sehr sauberes Land. Nirgendwo sonst gibt es Güsel Ranger - und die St.Galler kennen sicher noch den SauBÄR (auch bekannt als Bärsau *g*). Aber nicht nur die Städte werden sauber gehalten, sondern auch die Berge sollen strahlen. Dazu gibt es die Schweizer Felsenputzer. Die kümmern sich um den bösartigen Vogeldreck, den widerborstige Vögel einfach so auf die Berge und Felsen fallen lassen. Für diese ehrenvolle Aufgabe sucht das Schweizer Tourismusbüro noch Freiwillige. Aber, seht selbst:
Momentan strahlt die Sonne von einem wolkenlosen Himmel – ein Umstand, den man als Bewohner des „kalten, zugigen Lochs namens St. Gallen“ (O-Ton eines Arbeitskollegen aus dem Rheintal) unbedingt zu einem Ausflug nutzen sollte. Und weil an solchen Tagen die einschlägigen städtischen Naherholungsgebiete (Drei Weieren, Wildpark, Gübsen, Rosenberg) bekanntlich von Heerscharen St. Gallern heimgesucht werden, fahren wir dann gern auf’s Land. Zum Beispiel in den Thurgau, da kommt man sogar mit dem Velo hin, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen, da es bergab geht (die Heimfahrt ist dafür etwas mühsamer).
Quelle am Thonisteg
Auf der Suche nach neuen Zielen in der näheren Umgebung stießen wir auf der Webseite von Arbon auf die Themenwege “Kulturpfade” rund um Frasnacht bei Arbon. Also, bequeme Schuhe angezogen, Sonnenbrillen aufgesetzt und los nach Frasnacht. Wenn man mit dem Auto kommt, stellt man dieses am besten hinter der Kirche ab und folgt dann dem Schild Richtung Kratzern. Dort stößt man am Ende der Straße auf die Mostgalerie und das Strohhotel der Familie Stäheli. Wir erwarteten nun Hinweisschilder oder Tafeln zu den Kulturpfaden, wurden allerdings nicht fündig. Glücklicherweise saßen die Stähelis im Garten, und als wir sie nach den Themenwegen fragten, eilte Frau Stäheli sofort ins Haus. Kurz darauf tauchte sie mit mehreren Flyern wieder auf. Diese bestanden jeweils aus einer Karte, in der verschiedene Punkte eingezeichnet waren, und den dazugehörigen Beschreibungen. Wir entschieden uns für die mittlere Tour mit dem schönen Namen “Obstgarten“.
Ich bin ja kein Wintersportler. Ich bevorzuge Temperaturen über Null, um mich im Freien sportlich zu betätigen. Deshalb habe ich in den vergangenen 3 Wochen ganz schön gelitten. Aber heute Abend zeigte das Quecksilber (hat eigentlich noch jemand ein Quecksilberthermometer?) sensationelle 3,5°C, also habe ich mal wieder die Laufschuhe geschnürt. Ich laufe zwar langsam, aber dafür leidenschaftlich gern. Wenn ich erst einmal den inneren Schweinehund überwunden habe, vergeht nach den ersten 3 Kilometern auch das Ziehen in den Oberschenkeln, das Pfeifen in der Lunge und vor allem das Brummen im Kopf, das sich bei mir nach einem stressigen Arbeitstag schon mal entwickeln kann. Eine schöne Leere und Leichtigkeit stellt sich ein, bei der ich nur noch an den nächsten Schritt denke, ganz besonders, wenn es bergauf geht;-) Noch ist es zwar recht winterlich, aber ich glaube fest daran, dass das Frühjahr nicht mehr fern ist, immerhin ist am kommenden Sonntag der 1. März und damit meteorologischer Frühlingsanfang. Ich freue mich schon darauf, in Zukunft wieder häufiger meine lieb gewonnenen Runden zu drehen und neue Strecken zu entdecken. Hier nun meine Tipps für Laufbegeisterte und die, die es werden wollen:
Das war mit Abstand der dämlichste Satz, den ich heute gehört habe, und zwar bei der Nachlese zu den Swiss Music Awards. Abgesondert wurde er gestern von Sido, dem Aggro-Rapper aus Berlin, auf ebendieser Veranstaltung. Im Grunde habe ich von Sido auch keine rhethorischen Wunder erwartet, aber zumindest ein wenig geografisches Grundwissen. Offenbar hat er in “seinem Block” nicht nur nicht singen gelernt, sondern auch nie Erdkunde gehabt. So kann ich z.B. sagen: “St. Gallen ist meine Lieblingsstadt in der Schweiz”, aber nicht: “St. Gallen ist mein Lieblingsland auf der ganzen Welt”. Ich bin selbst in der Nähe von Berlin aufgewachsen und möchte mich deshalb für die Unwissenheit meines Landsmannes in Bezug auf das Nachbarland Schweiz entschuldigen. Aber ich lade Sido herzlich nach St. Gallen ein und bin gern bereit, ihm bei einem Rundgang durch die Stiftsbibliothek den Unterschied zwischen Stadt und Staat zu erklären. Aber natürlich nur, wenn er dann auch ein Konzert in einer der phantastischen St.Galler Locations gibt!