Provinzpop – aus St. Gallen

Von schwarzen Elfen und Gartenzwergen

März21

Leise surrend setzt sich die Mühleggbahn an der St.Georgen-Strasse in Bewegung, aufwärts in Richtung Bergstation. Dem aufmerksamen Stadtbummler fällt neben dem Wasserfall und dem Gigeregg schnell ein ungewöhnlich dekoriertes Ladengeschäft auf. Im Schaufenster sitzen schwarze Porzellanhäschen auf einer Wiese aus schwarzem Satin, schwarze Uhren hängen an den Wänden, schwarze Tassen stehen in den Regalen. Über der Tür prangt ein Wappen mit einem Einhorn und einem Hirsch, eingerahmt von dem Schriftzug „Schwarzmarkt“.

Patric Rüegg steht in seinem „Experimentierraum“ und malt gerade einen Gartenzwerg schwarz an. Er ist der Inhaber des Schwarzmarkts, der im Dezember 2007 seine Türen öffnete. Der Verkaufsraum ist natürlich komplett in Schwarz gehalten, wirkt aber dennoch freundlich und einladend. Daran schließt sich ein großes Atelier mit Lager an. Auf dem Arbeitstisch neben dem großen Monitor liegen einige angefangene Arbeiten. Viele Dinge entstehen zuerst am Computer, erzählt Patric, dem als gelernter Grafikdesigner das Entwerfen von interessanten Mustern, Bildern und Grafiken besondere Freude bereitet. „Ich war viele Jahre als Creative Director einer großen Ostschweizer Werbeagentur tätig und hatte in dieser Position immer weniger Zeit, mich eigenen Projekten zu widmen und meine Ideen zu verwirklichen. Die Arbeit in der Agentur war interessant und bereichernd, aber auch sehr stressig.“
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St. Gallen rockt

März12

Ja, und zwar nicht nur im übertragenen Sinne. Mindestens einmal im Jahr wird auch ganz in echt gerockt – und zwar am Open Air. Dieses Jahr wird das Musikereignis der Stadt (nun, Klassikfans mögen das anders sehen;-) vom 26.-28. Juni stattfinden und gestern ist das Line-up bekannt gegeben worden. Viele Stars und Sternchen am Rock-und Pop-Himmel werden sich im Sittertobel das Mikro in die Hand geben: NIN (cool!), Nick Cave & The Bad Seeds (yeah!), Jan Delay (ho!), Farin Urlaub (geil!) und Gimma (gimmaaa!) sind meine Favoriten, aber im diesjährigen Programm findet sich sicher für jeden etwas passendes. Und wenn am Neumarkt wieder diese praktischen Schützengarten-Grosspackungen direkt von der Palette verkauft werden, dann ist Megastimmung garantiert ;-) Wir sind auf jeden Fall dabei!

Übrigens, das Open Air hat jetzt auch ein Blog. Auf der Seite gibt es momentan in unregelmäßigen Abständen Einträge, aber zum Open Air ist dann lückenlose Berichterstattung geplant. Die Blogger wurden vor einiger Zeit per Wettbewerb gesucht und gefunden. Wir hatten diese Aktion leider völlig verschlafen, worüber wir uns auch gehörig geärgert haben. Der Blogger-Job ging an Raphaela und Antonio, die mit ihren Texten zum Thema “Open Air und Winter” die Jury überzeugen konnten. Mich haben sie bislang noch nicht ganz überzeugt, aber was nicht ist, kann ja bis zum Juni  noch werden. Und wenn nicht – wir machen Euch das inoffizielle Open Air Blog!

Hauptsache, Gimma kommt!

(taro)

Funken-Sonntag

März1

Heute ist meteoroligischer Frühlingsanfang. Und tatsächlich: zumindest die letzten Tage war das Wetter recht sonnig und etwa 10 Grad. Noch ist nicht aller Schnee weggetaut, aber um den Prozess tatkräftig zu unterstützen, gibt es den Funken-Sonntag. Das ist der erste Sonntag nach Aschermittwoch und in der Schweiz eine alte Tradition: Um den Winter zu vertreiben, werden grosse Feuer angezündet und häufig findet man ganz oben auf dem Winter-Scheiterhaufen ausgestopfte Stofflumpen, die “Bööggs“. Diese künstlichen Schneemänner müssen brennen, um der kalten Jahreszeit ein Ende zu setzen.

Im Stadtzentrum von St.Gallen wurde heute ebenfalls wieder ein grosses Feuer gemacht, genauer gesagt auf der Brühl-Wiese vor der Tonhalle . Organisiert wurde das Flammen-Spektakel vom Stadtteil-Verein “Museumsquartier“. Rest vom Artikel lesen »

Krisenfasnacht?

Februar22

Seit vergangenen Donnerstag sieht man in der Stadt vermehrt Leute in bunten Kostümen mit kunstvoll bemalten Gesichtern oder Masken, viele von ihnen tragen Musikinstrumente bei sich. Durch die Gassen der Altstadt tönen originell arrangierte Schlager und Popsongs, auf dem Boden liegt Konfetti… richtig, es ist Fasnacht. Die “fünfte Jahreszeit” wird auch in St. Gallen ausgiebig und fröhlich begangen. Ein Höhepunkt der St. Galler Fasnacht ist traditionell der Gugge-Föbü-Umzug durch die Altstadt mit anschließendem Föbü-Verschuss am Fasnachtssamstag. Das ist ein Spektakel, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man zur Fasnacht in St. Gallen ist. Für alle Nicht-St. Galler sei an dieser Stelle kurz erklärt, was es damit auf sich hat. Zum Thema Gugge kann die Wikipedia noch weiterhelfen, der Föbü-Verschuss allerdings ist eine St. Galler Eigenheit. „Föbü“ ist die Abkürzung für „Födlebürger“, und „Födle“ heisst so viel wie Mut, Courage. Ein Föbü ist also jemand, der Mut und Zivilcourage beweist, der etwas Wichtiges für die Stadt und die Menschen hier tut. Um zum Ehren-Föbü zu werden, wird der Föbü „verschossen“, d.h. mit einer mächtigen Ladung Konfetti aus einer riesigen Kanone beschossen (hier ein Foto), um ihm das Födlebürgertum auszutreiben;-) Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein Video ersetzt viele Bilder… deshalb hier ein paar Impressionen vom diesjährigen Verschuss:

Diese Prozedur geht normalerweise nahtlos in die Gassen- und Beizenfasnacht über, das heisst, die Guggen spielen auf eigens dafür aufgebauten Bühnen an mehreren Stellen in der Altstadt, die Leute lauschen, trinken Bier und Glühwein, tanzen und lachen. Normalerweise. Gestern allerdings bot sich uns ein eher trauriges Bild: Mehr Gugger als Zuschauer, zwei der fünf Bühnen waren gleich gar nicht besetzt, die sonst so omnipräsente Schützengarten-Brauerei schenkte kein Bier aus. Eigentlich war nur am Marktplatz etwas los, sonst wirkte die Altstadt so ausgestorben wie an einem Montagabend nach Ladenschluss. Irgendetwas stimmt nicht mit der Fasnacht, im vergangenen Jahr war da doch mehr drin! Wir fragen uns also: Trauern die St. Galler daheim dem Schweizer Bankgeheimnis nach? Oder zieht die globale Wirtschaftskrise nicht nur den SMI, sondern auch die Lust am Feiern nach unten? Oder hat es einfach zu wenig Bier?

(taro/maro)

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Winter und kein Ende

Februar19

Über das Wetter reden macht ja immer Spaß. Heute muss ich meinem Ärger über den fortwährenden Winter etwas Luft machen. Hach, vor zwei Jahren – was war das schön. Im Februar schon nette Temperaturen, gut die Saison für die Ski-Gebiete im Eimer – aber Frühlingsgefühle! Am ersten April konnte man den ersten Anbader oben auf drei Weieren begucken… Alle Welt redete vom Klimawandel und es würde ja nie wieder vernüftige Winter geben. Letztes Jahr war ein durchwachsener Winter, aber der Klimawandel kommt! Sicher, irgendwann.

Dieses Jahr ist alles anders. Die Finanzkrise sorgt nicht nur seit Monaten für frostige Zeiten auf dem Börsenparkett, nein sie ist sicher auch Schuld am ewig langen Winter (gefühlte 6 Monate!) – gut, dass die Preise für Heizöl im Keller sind, dann würden wir nicht nur darüber jammern, dass unsere Autos falsch parkiert und abgeschleppt werden. Nein, dann hätte der Anstieg der Temperatur in der Wohnstube das sofortige Schrumpfen des Geldbeutels zur Folge. So aber klagt man halt über den beissenden Frost. Schlimmer noch, die Bauern im Appenzeller Land haben überlaufende Güllegruben, las ich heute im Tagblatt. Warum? Weil im Oktober vergessen wurde, nochmal den ganzen Sch… aufs Feld zu fahren (“Kann man ja nicht mit rechnen, dass im November schon Winter ist“). Also, bitte lieber Petrus – beschere uns besseres Wetter, sonst versinkt Appenzell in brauner Brühe und wir gehen von der Winterkälte direkt in die Frühjahrsdepression :-)

(maro)

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