Provinzpop – aus St. Gallen

Krisenfasnacht?

Februar22

Seit vergangenen Donnerstag sieht man in der Stadt vermehrt Leute in bunten Kostümen mit kunstvoll bemalten Gesichtern oder Masken, viele von ihnen tragen Musikinstrumente bei sich. Durch die Gassen der Altstadt tönen originell arrangierte Schlager und Popsongs, auf dem Boden liegt Konfetti… richtig, es ist Fasnacht. Die “fünfte Jahreszeit” wird auch in St. Gallen ausgiebig und fröhlich begangen. Ein Höhepunkt der St. Galler Fasnacht ist traditionell der Gugge-Föbü-Umzug durch die Altstadt mit anschließendem Föbü-Verschuss am Fasnachtssamstag. Das ist ein Spektakel, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man zur Fasnacht in St. Gallen ist. Für alle Nicht-St. Galler sei an dieser Stelle kurz erklärt, was es damit auf sich hat. Zum Thema Gugge kann die Wikipedia noch weiterhelfen, der Föbü-Verschuss allerdings ist eine St. Galler Eigenheit. „Föbü“ ist die Abkürzung für „Födlebürger“, und „Födle“ heisst so viel wie Mut, Courage. Ein Föbü ist also jemand, der Mut und Zivilcourage beweist, der etwas Wichtiges für die Stadt und die Menschen hier tut. Um zum Ehren-Föbü zu werden, wird der Föbü „verschossen“, d.h. mit einer mächtigen Ladung Konfetti aus einer riesigen Kanone beschossen (hier ein Foto), um ihm das Födlebürgertum auszutreiben;-) Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein Video ersetzt viele Bilder… deshalb hier ein paar Impressionen vom diesjährigen Verschuss:

Diese Prozedur geht normalerweise nahtlos in die Gassen- und Beizenfasnacht über, das heisst, die Guggen spielen auf eigens dafür aufgebauten Bühnen an mehreren Stellen in der Altstadt, die Leute lauschen, trinken Bier und Glühwein, tanzen und lachen. Normalerweise. Gestern allerdings bot sich uns ein eher trauriges Bild: Mehr Gugger als Zuschauer, zwei der fünf Bühnen waren gleich gar nicht besetzt, die sonst so omnipräsente Schützengarten-Brauerei schenkte kein Bier aus. Eigentlich war nur am Marktplatz etwas los, sonst wirkte die Altstadt so ausgestorben wie an einem Montagabend nach Ladenschluss. Irgendetwas stimmt nicht mit der Fasnacht, im vergangenen Jahr war da doch mehr drin! Wir fragen uns also: Trauern die St. Galler daheim dem Schweizer Bankgeheimnis nach? Oder zieht die globale Wirtschaftskrise nicht nur den SMI, sondern auch die Lust am Feiern nach unten? Oder hat es einfach zu wenig Bier?

(taro/maro)

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3 Comments to

“Krisenfasnacht?”

  1. On Februar 22nd, 2009 at 22:22 Annubis Says:

    ihr habt was vergessen zu erwähnen :p während dem der sprecher die laudatio hielt über den ehren födelbürger – ertönte hinter uns, aus einem megafon, so eine fast gegendemonstration gegen diese zeremonie ;p war fast schade, dass die polizei den schreihals gestoppt hat – wir die das gehört haben hatten was zu lachen ;p

  2. On Februar 22nd, 2009 at 23:01 maro Says:

    Stimmt, irgendwas haben wir auch gehört – aber nur kurz. Ingesamt gab es doch etwas weniger Applaus für den neuen Ehrenbürger als im letzten Jahr. Vielleicht ist die Spenden-Aktion von Hüppi nicht unumstritten bei den St. Gallern?

  3. On Februar 24th, 2009 at 17:31 Föbü Verschuss 2009 das Video - Provinzpop, annubis, blog, st, gallen, webdesign, webhosting - Annubis Blog Says:

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