Provinzpop – aus St. Gallen

Von schwarzen Elfen und Gartenzwergen

März21

Leise surrend setzt sich die Mühleggbahn an der St.Georgen-Strasse in Bewegung, aufwärts in Richtung Bergstation. Dem aufmerksamen Stadtbummler fällt neben dem Wasserfall und dem Gigeregg schnell ein ungewöhnlich dekoriertes Ladengeschäft auf. Im Schaufenster sitzen schwarze Porzellanhäschen auf einer Wiese aus schwarzem Satin, schwarze Uhren hängen an den Wänden, schwarze Tassen stehen in den Regalen. Über der Tür prangt ein Wappen mit einem Einhorn und einem Hirsch, eingerahmt von dem Schriftzug „Schwarzmarkt“.

Patric Rüegg steht in seinem „Experimentierraum“ und malt gerade einen Gartenzwerg schwarz an. Er ist der Inhaber des Schwarzmarkts, der im Dezember 2007 seine Türen öffnete. Der Verkaufsraum ist natürlich komplett in Schwarz gehalten, wirkt aber dennoch freundlich und einladend. Daran schließt sich ein großes Atelier mit Lager an. Auf dem Arbeitstisch neben dem großen Monitor liegen einige angefangene Arbeiten. Viele Dinge entstehen zuerst am Computer, erzählt Patric, dem als gelernter Grafikdesigner das Entwerfen von interessanten Mustern, Bildern und Grafiken besondere Freude bereitet. „Ich war viele Jahre als Creative Director einer großen Ostschweizer Werbeagentur tätig und hatte in dieser Position immer weniger Zeit, mich eigenen Projekten zu widmen und meine Ideen zu verwirklichen. Die Arbeit in der Agentur war interessant und bereichernd, aber auch sehr stressig.“

Also zog Patric vor einiger Zeit die Notbremse und fuhr die Beschäftigung in der Agentur auf 50% zurück. „Der Schwarzmarkt ist eine neue Herausforderung, die Idee ist es, vor allem eigene Kreationen und selbst hergestellte Waren im Laden zu verkaufen. Leider reicht dazu die Zeit noch nicht aus – weder bei mir, noch bei meinem Partner Marcus Teichmann, der mit mir den Schwarzmarkt führt.“ Und so sind viele der sorgfältig ausgesuchten Artikel in den schwarzen Regalen nicht aus der eigenen Produktion sondern von Designerfirmen eingekauft, zum Beispiel die „kitschigen“ Elfentassen, die, wie Patric sagt, bei den Kunden sehr beliebt sind. Auch kleine Radios und schwarze Quietscheentchen würden gern gekauft.

Manche Artikel sind eine interessante Mischung aus Massenware und Designerstück, wie z.B. die Tischlampe aus der IKEA, die Patric und Marcus mit selbstkreierten Motiven bekleben. „Eine solche Lampe verkaufen wir für 29 Franken., daran verdienen wir nichts, aber es macht Spass“. Überhaupt sei es für den Designer am schönsten, mit den Kunden gemeinsam etwas zu schaffen. Viele Kunden haben eine Grundidee, wissen aber nicht, wie sie sie verwirklichen können. Hier hilft das Schwarzmarkt-Designer-Duo. „Vor einiger Zeit kam eine Kundin mit ihrer Tochter in meinen Laden, die für ein Matura-Projekt 20 Gartenzwerge benötigte“, erzählt Patric Rüegg. „Ich stellte mit ihr zusammen eine Silikonform her und zeigte ihr auch das Giessen, so dass sie dann selbst die Zwerge anfertigen konnte“.

Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, einen Laden mit lauter schwarzen Dingen zu eröffnen? Der komplett in schwarz gekleidete Ladeninhaber lächelt: „Schwarz war nicht immer meine Lieblingsfarbe“, erklärt Patric, „früher mochte ich es auch sehr bunt. Gelbe Jeans und auffällige Hemden hatte ich durchaus in meinem Kleiderschrank.“ Die Idee, ein eigenes Geschäft aufzumachen, hatte sich schon lange in seinem Kopf festgesetzt. So schaute er sich verschiedene Ladenkonzepte an, doch so richtig überzeugte diesen Patric nicht. Die Initialzündung kam endlich durch eine befreundete Zürcher Fotografin, die ihren gesamten Lebensstil auf die Farbe Schwarz ausgerichtet hatte. „Als ich da in ihrem komplett schwarz eingerichteten Loft stand, da hat es mich gepackt“, sagt Patric. So entstand das Konzept des Schwarzmarkts.

Ein wichtiger Bestandteil neben dem Verkaufsraum ist das Atelier, wo Kundenaufträge bearbeitet, Muster entworfen und z.B. T-Shirts selbst kreiert und in Handarbeit bedruckt werden. Grundsätzlich können die Kunden mit allen ihren Wünschen zum Schwarzmarkt kommen. „Ja, auch weiße und bunte Dinge nehmen wir an“, grinst Patric. Ein Auftrag, der dem Schwarzmarkt-Besitzer im Gedächtnis geblieben ist, war die spezielle Dekoration für eine Basler Kundin, die ihr romantisch gestaltetes Schlafzimmer mit passenden Wand- und Bodentatoos verzieren lassen wollte. Also fertigte Patric im Atelier Blümchen, Vögelchen und Schmetterlinge an, die er dann mit der Kundin gemeinsam in ihrer Wohnung anbrachte. Spezialaufträge seien natürlich zeit- und kostenintensiver, aber das nähmen die meisten Kunden gern in Kauf, schließlich bekämen sie ein außergewöhnliches Unikat, berichtet der Kreative. Für die Zukunft wünscht sich Patric noch mehr Kunden mit spannenden Aufträgen und mehr Zeit, um eigene Ideen umzusetzen. Er zeigt sein ein schwarzes Notizbuch. „Hier schreibe ich alles auf, was mir interessant erscheint – die Ideen darin reichen für die nächsten 40 Jahre“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Es lohnt sich also, ab und an im Schwarzmarkt vorbeizugehen, um zu schauen, welche Eigenkreationen neu im Sortiment sind. Außerdem gibt es natürlich auch immer saisonale Angebote – gerade seien umgespritzte schwarze Osterhasen mit weißen Blümchen der Renner. Für Kunden, die auf der Suche nach einem aussergewöhnlichen Geschenk sind oder denen ein kleines Do-It-Yourself-Projekt vorschwebt, wie zum Beispiel ein eigens gestaltetes T-Shirt, könnte sich beim nächsten Einkaufsbummel in kleiner Umweg in die St.Georgen-Strasse Nummer 8 lohnen. Den Lageplan und die Öffnungszeiten findet man auf der Internetseite des Schwarzmarkts unter www.schwarzmarkt.ch.

(taro / maro)

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