Provinzpop – aus St. Gallen

Emotionaler Sonntag

März29

Was tun an einem verregneten Sonntag in SanGalle? Eine Antwort wäre – Frühstück im Bett und einfach liegen bleiben. Aber irgendwie wäre es dann doch schade um den ungenutzten freien Tag.  Eine gute Alternative zum Faulenzen an trüben, kalten Tagen ist ein Besuch im Museum oder einer Ausstellung. Die Räumlichkeiten sind meist gut geheizt und außerdem gibt es was zu sehen;-)

Im Kunstmuseum St. Gallen läuft gerade die Ausstellung “Emotions” des bulgarischen Konzeptkünstlers Nedko Solakov. Da wir uns mit Gegenwartskunst aus Bulgarien überhaupt nicht auskennen, entschieden wir uns, eine Führung durch die Ausstellung mitzumachen. “Emotions” ist die erste große Ausstellung des Künstlers im deutschsprachigen Raum und ein Gemeinschaftsprojekt mit den Kunstmuseen in Bonn und Darmstadt. St. Gallen ist nach Bonn die zweite Station, wo Solakovs Werke präsentiert werden.

Solakov arbeitet mit den unterschiedlichsten Medien – Zeichnungen, Gemälden, Videoinstallationen, Musik, kleinen und großen Objekte von handlichen Tonskulpturen bis hin zu einer (nicht) begehbaren “Gummizelle”. Im Zentrum seines in dieser Ausstellung Schaffens stehen positive wie auch negative Emotionen, von denen besonders Ängste, sowohl persönliche als auch universelle, immer wieder aufgegriffen werden.  Mir gefiel besonders die Idee der “Fear sculptures” aus Ton, die Solakov, der unter panischer Flugangst leidet, über einen längeren Zeitraum auf verschiedenen innereuropäischen Flügen “anfertigte”.  Auch die Serie aus Zeichnungen “99 Fears” und die Objekt-Installation “Good News, Bad News” sind sehenswert und regen den Betrachter nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schmunzeln an. Mit anderen Exponaten, z.B. der Videoinstallation zu den Lieblingsfilmen des Künstlers oder dem kreativen “Popelglas”, konnte ich jedoch nicht allzu viel anfangen.

Das Konzept “Ausstellungsführung” hat mich nicht so ganz überzeugt. Die Museumsmitarbeiterin versorgte die Teilnehmer zwar mit jeder Menge Informationen zum Künstler und den Exponaten, aber leider wurden die weder spannend noch flüssig präsentiert. In Zukunft gehe ich lieber wieder “führungslos” durch Ausstellungen.

Es lohnt sich, noch einen Blick in die Sammlungsausstellung 11:1 (+3)= im Erdgeschoss zu werfen. Dort werden Arbeiten von Künstlern ab ca. 1880 bis zur Gegenwart präsentiert. Nedko Solakov hat sich wahrscheinlich den Traum eines jeden gelangweilten Schülers, der mit der Klasse ins Museum muss, erfüllt: Er hat neben die Bilder mit Filzstift seine Kommentare geschrieben und kleine Männchen gemalt. Hätte ich bei einigen Exponaten auch gern getan, aber ich bin leider keine Künstlerin ;-(

“Emotions” läuft noch bis zum 10. Mai 2009 im Kunstmuseum.

(taro)

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